Einmal mit dem Rad ans Meer und zurück…

Am Strand von Zoutelande
Radln ist schön, Radln ist Sport, Radln bringt dich an jeden Ort!
Ans Meer – genauer gesagt die Nordsee -, ich war so lange nicht mehr da…

Wir (meine Mutter und ich) haben mal zurückgerechnet, es müssen so um die 30-35 Jahre sein, dass wir als Kinder an der Nordsee, genauer gesagt Domburg bzw. Westkapellen gewesen sind. Früher wurden wir in den Sommerferien dort quasi von unserem Vater abgeladen – also meine Mutter und meine Schwester – und wir blieben dann 2 Wochen dort.

Eine Zeit, an die ich mich als Kind immer wieder gerne erinnere! Ich hatte „Sehnsucht nach Meer“ und diese wollte ich dieses Jahr befriedigen!

Samstag der 25.08.2018: Ich habe mein Krasses Tatanka – so der Name meines Tourenrads – in die Wohnung geholt, um es besser beladen zu können.

Nachdem ich alles ans Rad montiert hatte wirkte es doch sehr wuchtig und sagen wir, ein Leichtgewicht ist anders. Zu den knapp 15 Kilo Fahrrad kam jetzt die Ausrüstung. Aber was genau macht das alles so „wuchtig“?

Im Fahrradkoffer war: Erste-Hilfe-Set, Regenjacke, Werkzeug, Ersatzschlauch, Schlösser und D7100

Da wo auf dem Foto die Abus-Tasche liegt, habe ich später noch einen gepolsterten Platz für die Nikon gebaut und das Schloss auf das Werkzeug gelegt.

Fahrradtasche (grau): Schlafsack, Handtuch, Jeanshose, T-Shirt, iPad, Unterwäsche für 2 Tage und eine Tüte mit Kleinkram wie Batterien, Notlicht usw.

Fahrradtasche (blau): Leer (benötigt für abgelegte Hose und Jacke und ggf. Müll)

Fahrradtasche (Lenker): Notproviant für den Tag auf dem Fahrrad

Dazu kommen zwei Flaschen Wasser (1 Liter und 0,750 Liter) im Rahmen.

Ich habe alles gepackt und das Rad steht abends so gegen 22:00 Uhr vor mir. Ich bin ein wenig aufgeregt, gemischt mit Vorfreude und ein wenig Bammel …. schaffe ich das? Der Wecker ist gestellt, um 04:00 Uhr wird die Nacht zu Ende sein…

Sonntag den 26.08.2018:
Es ist 03:50 Uhr und ich werde wach … besonders „tief“ habe ich nicht geschlafen, aber ich habe geschlafen und gefühlt auch recht gut. Meine innere Uhr funktioniert 🙂

Ich stehe auf und mach mich gemütlich fertig. Ich mache mir zwei Brote, trinke einen Kaffe und starte den Tag wie immer, ohne Stress. Mittlerweile ist es 05:15 Uhr und ich mache einen letzten Check, habe ich alles?

Wenn nicht, werde ich es in Zoutelande merken. Ich ziehe meine Outdoor-Hose und Jacke über die Fahrradsachen – es sind immerhin nur 9 Grad draußen – und schleppe alles in den Aufzug. Knapp halb Sechs und 256 Kilometer vor den Rädern …

Mond und Eli...
Das Elisabeth-KH im Mondschein … frei aus der Hand.
Bereits nach einem Kilometer muss ich kurz anhalten und dieses Foto machen. Frei aus der Hand ging es leider nicht besser und bringt so gar nicht den Charme rüber, den es bei echter Ansicht hatte. Nun denn, ich habe eine Fähre zu erreichen, also die Kamera wieder in den Koffer und weiter.

Die nächsten 25 Kilometer waren grundsätzlich wenig spektakulär, denn es war Sonntag und kaum was los. Die einzigen Autos, die ich gesehen habe, waren von drei mobilen Pflegediensten. Die Damen waren schon sehr früh unterwegs.

Doch dann wieder so ein Moment nach ca. 20 Kilometern, der Sonnenaufgang über dem Feld mit Sonnenblumen. Ich hatte Zeit satt, bin ich doch ca. 30 Minuten vor der geplanten Zeit losgefahren. Also wieder die Kamera herausgeholt und einige Fotos gemacht.

Sonnenaufgang am Feld der Sonnenblumen...
Sonnenaufgang am Feld der Sonnenblumen…

Ich hätte noch viel länger verweilen und den Sonnenaufgang genießen können, aber da war was mit einer Fähre … also weiter! Einer der schönsten Abschnitte an diesem Morgen war das Naturschutzgebiet im Brachter Wald. Von dort ging es „nur“ bergab und plötzlich sehe ich im Wald zwei Rehe! Ich hätte hier hunderte Fotos machen können … aber ich bin ja nicht wegen der Fotos hier, denke ich noch so bei mir, schaue noch den Rehen hinterher, wie diese im Wald verschwinden, und nehme meine Fahrt wieder auf.

Es ist mittlerweile knapp halb Acht und ich erreiche nach 37,x Kilometern mein erster Ziel, die Fähre Kessel-Beesel.

Ich habe 30 Minuten Zeit, denn die erste Fahrt ist erst um 08.00 Uhr. Also erst einmal etwas trinken und wieder etwas essen. Danach ziehe ich die Outdoor-Hose aus, da es jetzt doch schon zu warm für diese ist und diese kommt in die blaue Tasche. Tolle Bilder hier an der Maas, wie der „Nebel“ aufsteigt. Also wieder die Kamera aus dem Koffer geholt und Fotos gemacht, ich hab ja Zeit.

Die Maas bei der Autofähre Kessel-Beesel.
Die Maas bei der Autofähre Kessel-Beesel.
Die Fähre liegt noch fest auf der anderen Seite...
Die Fähre liegt noch fest auf der anderen Seite…
Die Fähre nach der Überfahrt...
Die Fähre nach der Überfahrt…

37,x geschafft … 220,x vor den Reifen … also weiter geht’s!

Ich „trete“ einfach ohne Anstrengung so schnell es geht und habe bis hier her (Zeit in Bewegung) einen Durchschnitt von knapp 24 km/h. Nächstes Ziel: Kaffee ähhhh Eindhoven.

Eindhoven liegt knapp über 90 Kilometer von Mönchengladbach entfernt und ich erreiche das Zentrum gegen 10:30 Uhr. Hier gönne ich mir dann auch gleich noch einen Kaffee …

… bevor es weiter geht Richtung Tilburg. Nur eine Stunde später (Kilometer 102), mache ich große Augen, denn ich komme zu dieser „Brücke“ und „Ja“, der graue Weg neben dem Geländer soll der Radweg sein … hat so ca. 45° und ich habe keine Chance, mein Rad dort hoch zu bekommen.

Auf der asphaltierten Seite kann man nicht mit dem Rad gehen (es ist zu steil) und auf der Treppe kann man das Rad auf Grund des Gewichtes und dem Geländer dazwischen nicht halten. Also habe ich mich dann entschlossen auf der anderen Seite, das Rad quasi durch den Dreck und ich auf den Stufen das Rad da hoch zu hieven … ja, dass hat Körner gekostet und ich brauche kurz 5 Minuten, bevor es dann weiter ging.

Bei Kilometer 114 in Moergestelt – es ist mittlerweile kurz nach 12:00 Uhr – dann endlich die Mittagspause. Eine Friet Speciaal und dazu ein lokales Bier (Dommelsch Pilsener – schmeckte sehr gut!) geht immer, bevor ich mich wieder auf das Rad schwinge.

Kilometer 133 (13:17 Uhr) bei Hulton zwischen Tilburg und Breda, ich habe das Gefühl, ich muss noch mehr trinken, nur Wasser reicht nicht mehr aus. Also halte ich an einem Restaurant in der Nähe zu einem „Fliegerhorst“, bestelle mir eine Coca Cola, kippen diese in einem Zug runter. Die „Flasch“ (0,2) ist leer, bevor die Dame mit dem Wechselgeld zurück ist. Ich schwinge mich wieder aufs Rad und fahre weiter …

Kilometer 144 (14:03 Uhr) bin ich im Zentrum von Breda angekommen. Das Spiel mit der Cola hatte ich zwischenzeitlich noch einmal wiederholt. Ich brauchte Energie!

Nassaumonument
Beim Nassaumonument in Breda …

Hier esse ich mein drittes von vier Rühreibrötchen, welche ich mir vorbereitet hatte und genieße die letzten Sonnestrahlen, denn damit sollte es gleich vorbei sein.

Viele Fotos habe ich ab hier nicht mehr gemacht, denn ab jetzt wurde es ecklig. Kurz vor Breda setzte der Gegenwind ein. Erst nur leicht, doch nach Breda immer stärker. In Breda waren im Grunde auch die letzten Sonnenstrahlen, denn danach zog sich der Himmel zu, wurde grau und auch der Wind nahm zu. Die nächsten 56 Kilometer sollte ich mit kontinuierlichem Gegenwind und Böen der Windstärke 5-7 konfrontiert werden.

Als wäre das nicht genug, kam dann ab Roosendaal auch noch ganz leichter Regen dazu. Gut, der war jetzt nicht unbedingt die Rede wert, hätte es aber nicht gebraucht.

Keim der Freude ...
Heimolen bei Bergen op Zoom
Dann ein kleiner Keim der Freude, ich lese den Namen eines Orts den ich kenne: Bergen op Zoom

Doch die Freude wehrte nur kurz und ich war nach ca. 180 Kilometern einfach durch. Es gab nur noch Felder und elend lange Radwege ohne Ende in Sicht, dazu immer wieder der Wind.

An einen Plan B hatte ich ja schon gedacht, aber gehofft diesen nicht zu brauchen. 57 Kilometer gegen den Wind hatten Spuren hinterlassen. Die Muskulatur am inneren Oberschenkel war „überreizt“ und ich merkte das bei jedem Tritt. Aber wie das so ist, die Rad-Marathondistanz (200 Kilometer) wollte ich verdammt noch einmal schaffen und so – unvernünftig wie man in so einer Situation ist – biss ich auf die Zähne und zog das auch die letzten 20 Kilometer durch.

‎⁨Schelde-Rijnkanaal⁩, ⁨Rilland⁩, ⁨Niederlande⁩
‎⁨Schelde-Rijnkanaal⁩, ⁨Rilland⁩, ⁨Niederlande⁩

Mittlerweile hatte ich auch meine Outdoor-Hose und Jacke wieder an, denn ohne Sonne und mit diesem Wind waren die angeblichen 18 Grad gefühlt wie 10 und es war sehr unangenehm. Ich wollte jetzt eigentlich überall sein, nur im Zweifel nicht bei gefühlten 10 Grad und Regen auf dem Rad. Und mit dieser „Stimmung“ erreichte ich dann auch endlich den „Finger“ Richtung Middelburg.

Es waren jetzt kurz vor 18:00 Uhr und ich musste meine Unterkunft bis 20:00 Uhr erreichen. Mir war klar, dass ich das bei diesem Wetter nicht mehr schaffen konnte. Denn selbst wenn ich jetzt noch „topfit“ gewesen wäre, sind 57 Kilometer in unter 2 Stunden mit dem Tourenrad einfach nicht drin. Ok, ich hatte einen Plan B und musste ihn benutzen.

Ihr glaubt gar nicht, wie lang auf dem Rad sich 5 Kilometer anfühlen können, wenn man nicht mehr kann und auf Grund dessen eigentlich gar nicht mehr will. Doch dann kam er, der Moment, als der Tacho 200 Kilometer (!!!) anzeigte. Und egal wie im Ars** Du bist … Du bist stolz, wenn Du dieses Ziel erreichst!

Sehnsucht nach Meer-Tour (Plan B)
Klickt auf das Bild um zur Tour bei komoot zu kommen!

Und auch wenn ich keinen Bock mehr hatte, nass war und meine Muskulatur mir nach 60 Kilometer Gegenwind zu schaffen machte, ich hatte plötzlich Glück! Denn mit erreichen der 200 Kilometer – ich fuhr parallel zu einer Bahnlinie – sah ich plötzlich einen Zug ganz langsam hinter einer Böschung losfahren. Sollte da ein Bahnhof sein? Ja, es war der Bahnhof Rilland-Bath und – natürlich – menschenleer. Aber hier ist erst einmal ein Dach, ein Fahrkartenautomat und ich kann mich ohne Wind „ausruhen“.

Ich hatte das Fahrrad nicht ganz abgestellt, da kam plötzlich eine Frau zum Bahnhof und ich wollte sie bitten, mir bei der Fahrkartenbuchung zu helfen. Sie war aber selber nur zu Gast hier und konnte mir nur bedingt helfen. Als ich mich dennoch bedankte ist der Frau aber eingefallen, dass sie ja noch eine Tageskarte hatte, diese gar nicht mehr benötigt und sie mir diese schenken wolle. So bräuchte ich nur noch ein Ticket für mein Rad. Ich bedankte mich erneut für die Hilfe und Unterstützung, bevor sie dann wieder des Weges zog.

Am Automat noch schnell ein Ticket für das Rad gezogen und jetzt wartete ich auf den Zug, der nur 5 Minuten später um 18:25 Uhr bereits kommen sollte. Im Zug war es angenehm von der Temperatur und ja, ich war froh endlich normal sitzen zu können. Der Zug brauchte für die 45 Kilometer knapp 30 Minuten. Zeit, die ich zum ausruhen bitter nötig hatte, denn von Middelburg musste ich ja noch einmal 11 Kilometer mit dem Rad nach Zoutelande. Das wird noch einmal heftig … dachte ich.

Von Middelburg nach Zoutelande
Von Middelburg nach Zoutelande

In Middelburg aus dem Zug gestiegen war ich angenehm überrascht, denn es gingt so gut wie kein Wind, oder war das vielleicht nur im geschützten nur im Bahnhofsbereich so? Nein, mein Glück sollte ich behalten, es ging wenn dann ein laues Lüftchen … aber nichts unangenehmes. Und so habe ich die letzten 11 Kilometer bis Zoutelande auf dem Rad – von der Temperatur abgesehen – genossen, denn auch der leichte Regen war noch da.

Den Sonnenuntergang würde ich heute nicht mehr sehen können, aber ich wußte in wenigen Minuten stehe ich unter einer warmen Dusche! Ich war stolz auf das was ich mit meinem Tourenrad „geschafft“ hatte und freute mich auf den kommenden Tag … einen Tag am Meer!

Noch einige Zahlenfakten?

Von den geplanten 256 Kilometern habe ich am Ende 211 mit meinem Tourenrad geschafft. 45 Kilometer musste ich an die Bahn abgeben.

Nachtrag:
Eigentlich wollte ich die komplette Tour hier verarbeiten, merke jetzt aber, dass das verdammt viel Text ist und Bilder sind. Deswegen werde ich den Rest später in einem weiteren Post verarbeiten.

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5 Antworten auf „Einmal mit dem Rad ans Meer und zurück…“

  1. Hallo Stefan,

    es war sehr kurzweilig für mich zu lesen. Kenne den Weg nach Zoutelande wohl auch sehr gut. Dein Bericht ist sehr anschaulich und persönlich geschrieben. Freue mich auf den zweiten Teil.

    Ingrid K.

  2. Sehr schön geschrieben und nachfühlbar. Habs ja schon auf Twitter verfolgt und immer bei Maps nachgeschaut.
    Toll wenn man eine Herausforderung geschafft hat.
    Auch ich freue mich auf den zweiten Teil.
    Edgar

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